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Lebensphilosophie & Zufriedenheit


20.1.26

Heutzutage ist es trendy und in in Achtsamkeit nahezu aufzugehen, jährlich einen Retreat zu besuchen und einer Philosophie zu folgen. Diese Begriffe werden wie Banner vor einem hergetragen um darauf hinzuweisen, wie bewusst und wie reflektiert man durchs Leben geht. Wenn man allerdings die Lifestyle-Komponenten und die Selbstdarstellung nach außen hin weglässt, bleibt oft nicht viel übrig. Wie bei jeder Art von Philosophie klafft eine große Lücke zwischen der Lehre und dem Tun. Als Beispiel kann wohl jeder Ort die obligatorischen, meist älteren, meist weiblichen Damen aufführen, die jeden Sonn- und Feiertag in der ersten Bankreihe der Kirche beten (wahlweise auch frohlocken) - unter der Woche aber der Inbegriff von Intoleranz und Gemeinheit sind wenn sie sich über andere das Maul zerreißen.


(KI generiert)
(KI generiert)

Eine Philosophie (welche auch immer) wird benötigt, um eine Strategie für den ewigen Kampf der zutiefst menschlichen Eigenschaften wie Gier und Neid mit dem Streben eines Jeden nach Zufriedenheit und Ruhe zu haben. Wir leben alle in einer männlich dominierten Gesellschaft, deren Werte Produktivität und Wachstum weit vor Empathie und Mitgefühl rangieren. Wer etwas produziert (möglichst mehr als im letzten Jahr) wird mehr geschätzt als jemand, der sein Zeit mit alten Menschen oder Kleinkindern verbringt. Diese Art zu leben hat uns ab 1950 zu dem gemacht, was wir heute sind. Eine technisch hoch entwickelte Gesellschaft mit Wohlstand und Vollkasko. Das kann einem schon gefallen, muss es aber nicht. Besonders dann, wenn man mit einkalkuliert, dass dieser Wohlstand erstens nicht für alle gilt und zweitens auf der Ausbeutung unserer dummerweise endlichen Umwelt basiert. Auch dem größten Verfechter von Marktwirtschaft und dem amerikanischen Traum müsste inzwischen klar sein, dass das Märchen vom ewigen Wachstum in einer begrenzten Ressource eben nur ein Märchen bleiben kann. Mit dieser Strategie (Philosophie) schafft die Menschheit sich selbst ab. Entweder durch gegenseitiges Morden, weil die letzten Ressourcen immer wertvoller werden, oder weil der Planet durch uns letztendlich unbewohnbar wird oder weil Menschsein irgendwann nichts mehr mit Menschlichkeit zu tun haben wird.

Da wäre es doch interessant, über andere Strategien zumindest nachzudenken. Wenn man im Streben die Quantität durch Qualität ersetzen könnte, wäre schon viel gewonnen. Wenn man den Reiz der Zufriedenheit in die Köpfe der Menschen bekommen könnte, auch. Am Beginn der Corona-Jahre war es für viele höchst befriedigend, entschleunigt zu werden. Zu dieser Zeit (noch bevor die Schwurbler und Verschwörungstheoretiker die Kommunikation übernahmen) bekam man einen Eindruck, was Zufriedenheit ausmachen kann. Man hatte plötzlich Nachbarn und den Gemüsehändler am Dorfplatz, es reichten auf einmal einfache Spaziergänge in den Park und Videokonferenzen ersetzen für kurze Zeit die meist entbehrliche und wichtigtuerische Herumfliegerei. Natürlich gabs auch negative Entwicklungen zu dieser Zeit, es gab Personen die sich noch schwerer taten ihr Leben zu meistern und die durchs soziale Raster fielen - aber genau dafür braucht es eben ein Umdenken in der Wertigkeit von pflegenden Berufen, psychologisch geschulte Zuhörern aber auch von lokalen Dienstleistern und Lebensmittelquellen.

 

Etwas Verzicht, etwas mehr Empathie und etwas weniger Selbstüberschätzung täte uns allen gut. Stoizismus light sozusagen.

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